Institut für multiple Kompetenzentwicklung - GbR

 Beitrag Monate August/September

"Wer andere verstehen möchte, muss seine eigene Individualität vertiefen." (O. Wilde)

Beitrag von F. Hildebrand, Dornburg-Camburg  / FL Bio/Che Sek 1

Unmotiviert und lustlos – die Jugend von heute…

 „Die Jugend von heute wird immer blöder. Die wollen ja gar nichts lernen. Und die sollen mal unsere Rente bezahlen. Aus denen wird mal nichts Richtiges.“

Das sind Aussagen, die leider viel zu häufig in deutschen Lehrerzimmern ertönen, wo Jammern auf hohem Niveau stattfindet und die Schuld an allen Übeln natürlich den Schülern und ihren inkompetenten Eltern zugeschrieben wird.

 In meiner Hausarbeit „Handlungskompetenzorientierte Lernaufgaben im Fach Chemie“ habe ich Umfragen mit Schülern durchgeführt, die belegen, dass sie in ihrem derzeitigen Unterricht nicht sehr aktiv sein dürfen, dass sie die meisten gestellten Aufgaben nur erledigen, weil der Lehrer es von ihnen verlangt und dass sie selbst wenig bis keinen Spaß am Unterricht haben.

Im 2. Teil der Umfrage konnten die Schüler beschreiben, wie sie den Unterricht gern erleben möchten. Anders als die oben genannten Sätze, die immer wieder in Lehrerzimmern auftauchen, antworteten die Schüler, dass sie im Unterricht gerne aktiver wären, dass sie lernen wollen und dass sie auch Spaß im Unterricht haben möchten (…wobei Spaß hier nicht als „Geigel“ oder Blödelei zu verstehen ist, sondern als Ausdruck erlebter intrinsischer Motivation und einem „körpereigenen Belohnungseffekt“, der dem Schüler sagt: Das hast du geschafft, das ist dein Erfolg.)

Aber woran liegt es denn, dass die Schüler nicht aktiv sind und keinen Spaß am Unterricht haben?

Ich denke, dass ein Großteil davon natürlich abhängig von der Lehrerpersönlichkeit ist. Kommt ein Lehrer schon mit einem frustrierten oder gar wütenden Gesichtsausdruck in den Unterricht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass weder die Schüler noch der Lehrer zufrieden aus diesem Unterricht herauskommen. Da dies aber nur jeder Lehrer selbst ändern kann, habe ich mich mit dem aus meiner Sicht zweiten Teil dieses Problems beschäftigt, den Lernaufgaben.

Nach langem Auseinandersetzen mit einem aktuellen Chemie-Schulbuch 7/8 habe ich herausgefunden, dass ein Schüler mit Aufgaben aus diesem Buch überhaupt nicht großartig aktiv sein kann. In diesem Buch habe ich Aufgaben gefunden, die zum Teil mein kleiner Bruder (9 Jahre) beantworten konnten, aber auch welche, die Chemiestudenten im 8. Semester nicht lösen konnten.

Aus diesem Grunde habe ich mich hingesetzt und eigene Aufgaben kreiert. Hierbei habe ich den Perspektivwechsel vorgenommen und mich somit in die Rolle des Schülers hineinversetzt und mir die Frage gestellt „Was geht das mich denn als Schüler an? Warum sollte ich die Aufgabe bearbeiten? Nur weil ich dafür eine /weitere schlechte/ Note bekomme?“. Entstanden ist ein Spiel, welches die Schüler selbst gestalteten und inhaltlich mit Fragen zu den von mir vorgegebene Themen bestückten.

Herausgekommen ist, dass die Schüler während des Prozesses so motiviert waren, dass sie gar nicht bemerkten, dass es noch nicht zur Stunde geklingelt hatte und sie somit schon in der Pause ihre Aufgaben erledigten. In der folgenden Klassenarbeit haben die Schüler dieser Klasse besser abgeschnitten als in einer fast nur frontal unterrichteten Klasse.

Diese Ergebnisse führten mich zu der Erkenntnis, dass Veränderungen in unserem Schulalltag notwendig und richtig sind.

Aber warum planen so viele Lehrer ihre Stunden nur strikt nach einem Muster welches weit vor der Jahrtausendwende aktuell war? Sind es dann nicht vielmehr die Lehrer die unmotiviert und lustlos sind, etwas Neues auszuprobieren?

Wer in seiner Arbeit zufrieden sein möchte muss etwas investieren, egal in welchem Beruf. Ich habe in meinem noch relativ kurzen Berufsleben die Erfahrungen gemacht, wer bereit ist etwas zu investieren, dem wird es auch gedankt.

Ich bin der vollen Überzeugung, dass Menschen, die mit und in ihrer Arbeit zufrieden sind, wesentlich bessere Leistungen erbringen können. Dies gilt für alle Bereiche des Lebens, für Lehrer als auch für Schüler.  

 

 

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