Institut für multiple Kompetenzentwicklung - GbR

 

"Wer seine Spur nicht verlassen möchte, kann auch nicht überholen." (Chinesisches Sprichwort)

  Ein Beitrag von Martina Jaros, Schulentwicklungsberater und Multiplikator für Schulmediation

  „Lernen ist das Persönlichste auf der Welt. Es ist so eigen wie ein Gesicht oder ein Fingerabdruck“ (H. Foerster)

Das Schuljahr hat begonnen

Das Schuljahr hat begonnen. Mit dem ersten Schultag ist es wieder laut in den Gemäuern der Schulgebäude. Lerner kommen mit neuen Erfahrungen schwatzend und mit vielen Erwartungen fürs kommende Jahr und die Lehrer planen landauf, landab zum Beginn des Schuljahres ihren Unterricht für die Lerner neu. Sie suchen und  stöbern nach neuen interessanten Inhalten und Wissenswertem, um den Unterricht anschaulich und zeitnah zu gestalten.

Lerner machen sich miteinander bekannt, wenn sie in anderen Klassen lernen oder ganz „neu“ in der Schule sind, Lehrer lernen Lerner kennen. Es werden die Namen dieser in Klassenbüchern und Klassenlisten festgehalten, persönliche Angaben notiert und zum Lernen der teils unbekannten Namen, Schilder oder Sitzpläne geschrieben.

Einander Kennenlernen landauf, landab, viele neue Gesichter und Namen in kürzester Zeit – Hauptsache, man weiß, wer wer ist… Jedoch, kennen die Lehrer die Lerner dann wirklich oder eher doch nur deren Namen, austauschbare Etiketten, Beschriftungen, die nichts über den Menschen dahinter zu sagen vermögen? Wo steht jeder Einzelne in seiner Entwicklung, was mag er, was nicht, wie geht es ihm zu Hause, in der Schule, seiner Klasse, wie mit seinen Lehrern? Oder – was natürlich nur eine kühne Annahme ist – folgen auch Lehrer Klischees, Vorurteilen, Vorverurteilungen? Da gibt es die vielen Chantals, Kevins, Jaquelines, und die „Pubertiere“ sind immer unmöglich und zickig und öffnen des Unterrichts geht ja nun wohl gar nicht.

 Eine junge Kollegin beginnt in einer 9. Klasse ein neues Thema mit der Thesenpapiermethode und merkt schnell, dass die Lerner diese Aufgabe/die Ansprüche der Methode nicht bewältigen können. Sie ist frustriert und befragt daraufhin die Klassenlehrerin, die zur Auskunft gibt: „Aber das geht doch mit meiner Klasse nicht, Sie kennen sie doch, die interessieren sich für nichts, sind faul und dumm und überhaupt! Machen Sie Frontalunterricht, sorgen Sie für Disziplin und Ordnung, das andere wird sich dann schon ergeben...“  

 Nun weiß die „Neue“ Bescheid: Dumm, faul, desinteressiert, nur mit Drill überhaupt zu irgendetwas" data-fck-orig-id="fck_dom_range_temp_1388761511115_741>irgendetwas" der P auf?<  Entwicklungsbarrieren unüberwindliche beinahe wirkliche, so sich bauen schnell wollen. Wie zu Beste das nur vorgibt, die Empathielosigkeit, sehen, meint Blindheit, wissen, annimmt Unwissenheit, geben. Bedingungen veränderten unter Einzelnen jedes Können eigentlichen vom Bild kein können und widerspiegeln Lerner noch Lehrer anderer Erfahrungen nicht Ihre wird? betoniert Zeiten alle für verallgemeinert sogleich gefällt, einmal welches, gleichen, Urteil einem werden, übernommen womöglich sie da nun, Klassenleiterin, einseitigen dies sind oder wirklich, nun denn wir kennen Pappenheimer…Ja ihre kennt Nun bewegen.>

Allzu oft wird viel zu schnell geurteilt, beurteilt und verurteilt. Was bleibt ist das Gefühl des Versagens bei den Lernern und das Gefühl der Hilflosigkeit und Frustration bei den Lehrern.

Hinterfragt man diese „ganz normalen Vorgehensweisen“, die sich immer wieder in  jedem Schuljahr wiederholen, so wird deutlich, dass allen Beteiligten wesentliche Informationen fehlen, nämlich, was kann der Lerner zum jetzigen Zeitpunkt, was steckt in ihm, was möchte er entwickeln und was benötigt er dazu? Bei aller fleißigen und umfangreichen Vorbereitung durch die Lehrer wird oft für den „ominösen Otto-normal-Lerner“ geplant und vorbereitet, wird vorgegeben, was und wie das gelernt werden soll, ohne dabei zu berücksichtigen, dass „Lernen eben das Persönlichste...(jedes Einzelnen ist, d. A.)…ist.“

Eine andere Herangehensweise an die Planung und Organisation von Unterricht ist erforderlich, eine Planung, die auf die Bedürfnisse der Schüler ausgerichtet und mit ihnen gemeinsam gestaltet werden kann und muss.

Es ist dazu zwingend eine Feststellung des Ist-Standes (dazu bietet das IFMK, Kompetenzeingangstests an und unterstützt Schulen dabei, mit diesen Ergebnissen, Planungen für die Schüler vorzunehmen) nötig, in dessen Auswertung vereinbart wird, in welchem Zeitraum, was zu entwickeln ist und welche Herangehensweise bzw. Unterstützung für jeden Einzelnen erforderlich ist. Mit den Ergebnissen der Momentaufnahmen steht der Lerner mit all seinem Können im Vordergrund und bekommt so die Chance, sich durch die ressourcengeleitete Begleitung seiner Lehrer optimal entwickeln zu können. Der Lerner wird nicht kritisiert, beurteilt und verurteilt, sondern als einzigartiges Individuum mit all seinen Stärken aber auch Schwächen wahrgenommen. Davon abgeleitet erhalten die Lerner vielfältige Möglichkeiten zur freien Entfaltung ihrer Talente, zur Stärkung ihres Selbstwertgefühls, ihres Selbstbewusstseins und ihrer sozial-kommunikativen Kompetenz. (Im Band zwei „Kompetenzentwicklung fokussieren“ wird dies ausführlich erläutert)

 „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen, sondern auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“ (Perikles)

Obiges Beispiel soll zum Nachdenken anregen: Zum Nachdenken darüber, ob wir jeden einzelnen Schüler wirklich kennen. Zum Nachdenken darüber, dass „sie können das nicht“ doch eine sehr einseitig Betrachtungsweise ist (außerdem kommen Kinder ja wohl in die Schule um zu lernen, nicht um zu können!) und sie so ohne Angebote zur individuellen Förderung (hier der methodisch-strategischen Kompetenz) eine vorgenommene Aussonderung darstellt. Es soll zum Nachdenken anregen und auch zum Erkennen, dass jeder Schüler seinen eigenen Entwicklungsstand hat und sich stets erst von der heuristischen Lernstufe 1 bis 3 entwickeln muss, ehe er es kann und verinnerlicht hat, was wir wollen, das er weiß und kann.

Jeder Schüler kann lernen: Alles, was er zu seiner Entwicklung im methodisch-strategischen, sozial-kommunikativen, affektiven und fachlichen Bereich (kurz seiner Handlungskompetenz) benötigt, kann er trainieren und über dieses Training letztlich lernen.

Im Beispiel stellte sich die Frage, sollte zukünftig in dieser 9. Klasse die Thesenpapiermethode (welche einen wichtigen Baustein darstellt, um die Entwicklung der Lerner hin zum erfolgreichen Bewältigen lebensweltbezogener Anforderungen /siehe Grundsatzband/ zu ermöglichen) nicht durchgeführt werden, weil es sowieso nicht funktionieren wird? Oder ist der augenblickliche Stand der Bewältigung (nicht-Bewältigung) der Methode nicht ein Zeichen, dass Kenntnisse der Lerner fehlen, die im methodisch-strategischen Bereich liegen?

Hier muss sofort ein Nachdenken darüber einsetzen, welche Gründe es dafür gibt, dass die Lerner mit dieser Methode (das heißt dann verallgemeinert: sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten) nicht zurechtkommen? Welche Möglichkeiten hatten sie bisher, dies in vielfältigen Situationen zu üben und zu trainieren?

Es muss auch ein Nachdenken darüber einsetzen, ob die bisherigen Planungen zeitgemäß sind oder nicht endlich begonnen werden muss, Unterrichtsplanungen und damit Unterricht anders zu gestalten. Dabei dürfen wir auf dem beschwerlichen Weg nicht zurückgehen auf „Altbewährtes“ aber eben nicht mehr zeitgemäßes, sondern wir müssen aus den neuen Erkenntnissen und Erfahrungen aus den Bereichen Hirnforschung, Lernpsychologie und Konstruktivismus lernen. Schließlich lernen Menschen lebenslang, und wir Lehrer sollen und müssen beim Prozess des lebenslangen Lernens mit bestem Beispiel vorangehen, erwarten wir doch nichts anderes von den Lernern. Wir sind die, welche diese Haltung bei ihnen entwickeln helfen müssen, damit sie ein gelingendes und erfolgreiches Leben führen können. Das gelingt nur, wenn wir ein lebendes Beispiel dafür sind.

 Die junge Kollegin ließ sich jedoch nicht von ihrer Planung abbringen und besprach die Strategien, welche notwendig sind, um die Lerner zu befähigen, zu Thesen argumentieren zu können. So wurde z.B. festgelegt, zunächst die Aussagen der Thesen gemeinsam in Kleingruppen herauszuarbeiten, dann diese zu erläutern usw. Die meisten Schüler dieser Klasse entwickelten, als sie die Methode verstanden hatten, eine nicht erwartete Freude beim Bewältigen der Aufgabe.

Dies kleine Beispiel zeigt, wie oft gedankenlos vorschnelle Urteile über Lerner gefällt werden, ohne ihnen die Möglichkeit gegeben zu haben, die Strategien zu erlernen, um neuen Herausforderungen gewachsen zu sein.

Solches neue, andere Herangehen erfordert nicht nur eine entsprechende Unterrichtsplanung und -gestaltung vom Lerner aus gedacht, sondern auch ein kontinuierliches methodisch-strategisches Training für alle Lerner, welches sie in vielfältigen Unterrichtssituationen in unterschiedlichen Fächern erproben können. Es erfordert also auch gelingende Teamarbeit der Kollegen in einer Klasse/Klassenstufe zur Entwicklung von Handlungskompetenz aller uns anvertrauten Schüler.

Wir Lehrer sollten, gerade zu Beginn des neuen Schuljahres, uns nicht nur über die zu vermittelnden Inhalte Gedanken machen, sondern besonders auch darüber, wie dieses Lernen methodisch-strategisch; sozial-kommunikativ und affektiv im Interesse einer gelingenden Handlungskompetenzentwicklung aller Lerner gestaltet werden kann und muss.

 Martina Jaros, www.ifmk.net

 

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