Institut für multiple Kompetenzentwicklung - GbR

 

 Motto der Monate Januar / Februar 2014:

"Nur ein Volk, das liest, ist auch ein Volk, das denkt." Japan

  ein Beitrag von Jan M. Berger zur Sozial-kommunikativen Kompetenz

Immer wieder lese oder höre ich Aussagen von durchaus auch ernst zu nehmenden Zeitgenossen, dass Lesen und Schreiben immer verzichtbarer würde – zumindest für den großen Teil der Bevölkerung, der später weder in Führungspositionen noch einer Bank oder Regierung tätig sein wird. Schließlich, so wird kolportiert, verbesserte sich die Technik sprunghaft immer weiter, würden Sprachein- und –ausgabesoftware immer leistungsfähiger, jeder, egal wo, wann und zu welchem Zweck, können sich zukünftig alles vorlesen lassen, alles diktieren, also über große Entfernungen beinahe schriftlich kommunizieren und Kommuniziertes auf der Festplatte seines PC, in einer dropbox, einer cloud, wo auch immer mehr oder weniger dauerhaft konservieren. Und überhaupt: Bilder sind um ein Vielfaches wirksamer als schier endlose Abfolgen von Buchstaben, deren recht phantasielose Aneinanderreihung doch nun wirklich kaum Augenschmaus ist… Sich vorlesen lassen spart außerdem Zeit, nicht selbst schreiben zu müssen, Papier und Tinte. Glauben Sie das auch?

Dann lesen Sie am besten nicht mehr weiter.

Im „finsteren Mittelalter“ konnte die überwältigende Mehrheit der Menschen weder Lesen noch Schreiben. Ihnen wurde vorgelesen und – wenn sie tatsächlich etwas schriftlich mitzuteilen hatten – sie durften einem Schreiber diktieren. Eine wirklich dunkle Zeit, weder kann ich nachprüfen, ob das Vorgelesene tatsächlich geschrieben steht, noch weiß ich, was der Schreiber notierte. Ich bin nicht mündig, kann nichts aufklären, Spitzer nennt das im heutigen Kontext digitale Demenz. Menschen brachen ausgangs des 15. Jahrhunderts auf in die Moderne, mittels Buchdruck wurden die zahllosen Erfindungen und Entdeckungen als enorme Wissensmengen in Bibliotheken angehäuft. Um alles dauerhaft zu bewahren und weitergeben zu können,  bedurfte es der Verschriftlichung: Menschen haben Wahrgenommenes beschrieben, und in dieser Interpretation schon neue Weltsichten und Wahrheiten aufgeschrieben. „Es gibt mehr Schätze in Büchern als Piratenbeute auf der Schatzinsel. Und das Beste ist, du kannst diesen Reichtum jeden Tag deines Lebens genießen.“, sagte Walt Disney einst und Marie von Ebner-Eschenbach pflichtet bei, wenn sie sagt: „Lesen ist ein großes Wunder.“ Ausdrücklich: Lesen – nicht Vorlesen! „Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.“ (A. Huxley) Alles ist möglich, Unvorstellbares plötzlich erreichbar, heutige können mit längst vergangenen Generationen des menschlichen Geschlechtes in Kommunikation treten, Horizonte in allen Dimensionen erweitern. „Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“ (Helen Hayes), und „Jedes Mal, wenn man ein Buch öffnet, lernt man etwas.“ (Chinesisches Sprichwort). „Alle guten Worte dieser Welt stehen in Büchern.“ (Chinesisches Sprichwort) und „Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zum eigenen Denken zu verleiten.“ (Marie von Ebner-Eschenbach). Die Welt hat Milliarden von Büchern, sie alle wurden von Menschen geschrieben. Schreiben und Lesen gehören untrennbar zusammen, so wie Leib und Seele, Leben und Tod, Werden und Vergehen. Lesen lernt der Mensch durch Schreiben, durch Lesen verbessert sich sein Schreiben.  „Lesen bereichert den Menschen, mündlicher Gedankenaustausch macht ihn gewandt. Niederschriften verhelfen zu genauerem Wissen.“ sagte Sir Francis von Verulam Bacon und Brecht wusste, dass Bücher eine Waffe sind. Im Niederschreiben verknüpfe ich Gewesenes mit Heutigem und entwerfe Visionen einer Zukunft, die für Nachkommende wieder ein aus der Vergangenheit sprudelnder Quell der Erkenntnis sein kann, insofern sie es vermögen, selbst Schreiben und Lesen zu können. „Die Literatur greift immer dem Leben vor. Sie ahmt das Leben nicht nach, sondern formt es nach ihrer Absicht.“ (Oscar Wilde). Haben die „Mächtigen“ dieser Welt davor Angst? Fürchten sie den selbst schreibenden und lesenden Menschen, weil der sich eben selbstständig und unbeeindruckt von den medialen Kampagnen – die wahrhaftig Gehirnwäsche betreiben, indem sie immer gleiche Halbwahrheiten und Lügen im Halbstundentakt in die Welt erbrechen – kundig zu machen versteht und eigene Gedanken in sozialen Netzwerken kommuniziert, damit Weltsichten entwirft, die so gar nicht ins Konzept der Mächtigen passen? (Hatten die Philister und Mächtigen längst vergangener Zeiten nicht auch eben davor so unsägliche Angst?) Wer Lesen kann, ist im Vorteil: Weil er zu kommunizieren vermag mit ungezählt vielen Menschen aller Zeiten, wer schreiben kann, wird die Welt ein Stück weit formen können nach seiner Absicht. „Es ist etwas Besonderes um Menschen, die am gedruckten Wort Interesse haben. Sie sind eine eigene Spezies: kundig, freundlich, wissbegierig – einfach menschlich.“, weiß Nathan Pine und Reinhard Piper sagt: „Bücher begleiten uns durch unser Leben. Sie sind Mittel unserer Menschwerdung, sie vertiefen unser Bewusstsein.“

Kämpfen Sie mit uns gemeinsam gegen alle Strömungen, die verkünden, Lesen und Schreiben wären verzichtbarer Ballast.  “Das Lesen fördert die Identitätsentwicklung des Kindes; es hilft ihm, die Sichtweisen anderer zu verstehen; es lehrt den spielerischen Umgang mit Sprache, es eröffnet die Möglichkeit, in der Parallelwelt des Buches Prüfungen zu bestehen, die man in der wirklichen Welt fürchtet.“ (Susanne Gaschke). Schaffen Sie vielfältige Möglichkeiten zum unbegrenzt freien Lesen, zum kreativen Schreiben, lassen Sie die Lerner so die unendliche Vielfalt dieser und längst vergangener Welten erleben und zukünftige schon einmal vordenken.  Und wenn Sie mögen, dann etablieren Sie an Ihren Einrichtungen eine der „schärfsten Waffen“: Nehmen Sie gemeinsam mit Ihren Lernern Gedrucktes vergangener Zeiten, lesen Sie es, schreiben Sie es gemeinsam um (oder schreiben Sie gemeinsam selbst Neues)  und bringen Sie es anschließend im Theaterspiel auf die Bühne. Es gibt keine bessere Übung sozial-kommunikative Kompetenzen zu entwickeln.

Herzlich willkommen beim ifmk.
Ihr Fortbildungspartner
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